Ein faszinierendes und einmaliges Buch voller erstklassiger Fotografien haben Jan Bosch und Roger Lang im Stöffel-Park vorgestellt. Es war der passende Ort für ein großartiges Projekt, das schon vor über einem Jahrzehnt angedacht war. „Erlebnis unter Tage“ heißt es. Dafür haben die Autoren alle Besucherbergwerke und Schauhöhlen in Rheinland-Pfalz und im Gebiet des Nationalen GEOPARKS Westerwald-Lahn-Taunus mit der Kamera besucht.
Das Ergebnis ist im wahrsten Sinne ein Aushängestück für die Region, das Bundesland und den Geopark. Es repräsentiert Geschichte und Kultur – und würdigt, wie Forschergeist und harte Arbeit der Menschen unseren Wohlstand begründet hat.
Zugleich ist eine Fotoausstellung im Stöffel-Park in Enspel zu dem Thema bis zum 31. Mai zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung täglich (außer montags) und an allen Feiertagen.
Zahlreiche Ehrengäste begrüßt
Für den Eröffnungstermin hatte unter anderem Staatssekretärin Petra Dick-Walther gerne den Weg in den oberen Westerwald auf sich genommen – zumal sie gerne im Stöffel-Park sei, wie sie sagte.
Markus Hof, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Westerburg, hieß sie herzlich willkommen und dankte ihr für ihre Arbeit. Er begrüßte neben den angereisten Ehrengästen (siehe unten „Personen auf dem Foto“) auch die örtlichen wie Dieter Wisser (Ortschef von Enspel). Und Carmen Engel, die Geschäftsführerin des Stöffel-Parks, stellte er mit den Worten vor: „Sie macht hier alles – außer Grußreden.“
Es ist eine Notwendigkeit Kultur zu präsentieren
Für Petra Dick-Walther war ihr Kommen mehr als ein ehrenvoller Anlass am Ende ihrer Dienstzeit. Sie hatte sich mit dem Bildband bereits auseinandergesetzt. Auch lobte sie die Vielfalt des Stöffel-Parks, wo sich Kinder frei ausprobieren dürfen, und zu dem sie auch in Zukunft gerne hinfahren werde, wie sie sagte.
Es sei eine Dringlichkeit und Notwendigkeit Arbeits- und Industriekultur zu präsentieren. Auf den Aspekt der Rohstoffgewinnung bezogen, für den der Bergbau und auch der Geopark größtenteils stehen, sehe man aktuell große Abhängigkeiten. Entscheidungen auf dem Gebiet erforderten faktenbasierte Abwägungen und das Ernstnehmen unterschiedlicher Interessen. „Rohstoffgewinnung ist eine langfristige Verantwortung“, betonte sie nachdrücklich. Unter dem Aspekt sei auch der Stöffel-Park interessant, der die Erd- und Industriegeschichte sowie die Gegenwart darstellt und verbindet. Er sei fachlich wie persönlich ein passender Rahmen für sie, fügte sie hinzu.
Rohstoffgewinnung ist eine langfristige Verantwortung
Geschichte bewahren und wertschätzen, diesen wichtigen Aspekt sieht sie auch in dem Bildband, dessen Aufnahmen und Einsatz der Farbe sie sehr lobte. Sie würdigte gleichermaßen die Arbeit des Landesamts für Geologie und Bergbau für seine herausfordernde Arbeit. Sie wünschte allen Vertretern „erfolgreiches Wirken“ und verabschiedete sich mit einem herzlichen „Glück Auf!“
Gut Ding braucht Unterstützer
Andreas Tschauder (Direktor des Landesamts für Geologie und Bergbau RLP) dankte zunächst der Staatssekretärin für die vertrauenswürdige und respektvolle Zusammenarbeit und Unterstützung. Seit 2013 habe Roger Lang die Besucherwerke in Rheinland-Pfalz dokumentiert, berichtete er. Unter seinem Vorgänger, Dr. Georg Wieber, nahm das Buchprojekt Form an, und es konnten Kooperationspartner gefunden werden – etwa die Gerald und Melitta Martin-Stiftung und allen voran der Geopark Westerwald-Lahn-Taunus, der das Projekt mitfinanzierte. Für diesen war Frank Inderthal, erster Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises, gekommen. Er überbrachte Grüße des Landrats Carsten Braun, der im März den Vorsitz des Geoparks übernommen hat. Dass die Fotografien die Spuren des Bergbaus mit seiner mühevollen Arbeit, auf der unser Wohlstand gegründet wurde, lebendig erhalten, hob er mehrfach hervor.
Auch Michael Volkwein vom Geopark würdigte die Arbeit der Bergleute – und warb, die Erdschätze der Region kennenzulernen: „Wo Marmor, Stein und Eisen spricht – und der Ton die Musik macht“.
Auch Michael Volkwein vom Geopark würdigte die Arbeit der Bergleute – und warb, die Erdschätze der Region kennenzulernen: „Wo Marmor, Stein und Eisen spricht – und der Ton die Musik macht“.
Auf der Spur der Bergleute
Mittels eines Multimediavortrags führten die Fotografen Jan Bosch und Roger Lang die Gäste an das Thema des Buches und der Fotoausstellung heran.
Sie stellen die Entwicklung des Bergbaus dar, indem sie eintauchten in die spannende und oft gefährliche Welt der Bergleute. Mit 10 Kilogramm Fotoausrüstung ging es für die beiden in die Tiefe – mit einer gebührenden Portion Respekt. „Häufig regnet es unter Tage. Und nicht immer sind die Wege weit und offen. Letztlich ist jedes Foto ein Highlight, ein Erlebnis“, erklärte Jan Bosch. Das transportieren die Bilder auch.
Vom mittelalterlichen bis zum modernen Bergbau, von Achat über Eisen, Silber, Blei, Zink, Kupfer, Quecksilber bis zu Kalkstein, Basalt und Dachschiefer reicht das Spektrum. Zwei Schauhöhlen zählen zu den Fotolocations, die viel über die geologische Entwicklung unserer Heimat verraten und auch ästhetisch gesehen einiges zu bieten haben.
Der Bildband und die Fotoausstellung regen dazu an, die abgebildeten Orte persönlich entdecken zu wollen. Für Menschen, denen ein Gang in die Tiefe nicht möglich ist, dienen die Abbildungen als Vehikel. So auch für Markus Hof. Er selbst würde sich unter Tage nicht wohl fühlen, sagte er, „daher ist so ein Buch umso wichtiger“.
Zur Person: Jan Bosch und Roger Lang
Die Macher: Jan Bosch arbeitet seit 2020 beim Geopark. Er widmet sich seit zwei Jahrzehnten als freier Fotograf Menschen, Industrie-, Kultur- und Umweltthemen. Roger Land ist Mineraloge und betreut am Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz das Fachgebiet Geotourismus. Der Untertagefotografie widmet er sich seit 2013. Seine fotografischen Schwerpunkte liegen aktuell im Bereich Landschafts-, Industrie- und Mineralienfotografie.
Ehrenamtler als Models
Die Dunkelheit und Enge unter Tage bekommen in den Aufnahmen ein gänzlich neues Image. Sehr bewusst und dezent werden Farben ins Bild gebraucht, die durch den Kontrast die bizarren und faszinierenden geologischen Strukturen des Gesteins in den Höhlen und Stollen betonen sowie die technischen Anlagen des Bergbaus in Szene setzen. Das geschieht oftmals allein durch die farbige Kleidung eines Menschen. Es sind Kollegen der Fotografen und Ehrenamtliche, die sich mit großem Engagement in den Besucherbergwerken und Schauhöhlen einbringen und hier „ganz nebenbei“ verewigt werden. Sie vertreten sozusagen die Kumpel, die Bergarbeiter, deren Werk sie bestaunen und würdigen – und auf das sie hinweisen, indem sie anderen davon berichten und sie in die Tiefe begleiten. Natürlich waren einige von ihnen auch unter den Ehrengästen im Stöffel-Park zu finden.
Beim Anblick der Abbildungen wird deutlich: Die Menschen hinter und vor der Kamera bringen ihre Hingabe und Begeisterung für den Bergbau und die faszinierende Welt unter Tage geradewegs mit ins Bild. Der Fotoband fand übrigens gleich vor Ort reißenden Absatz.
Der Bildband…
Der Bildband ist durch die Kooperation zwischen dem Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) Rheinland-Pfalz und dem Nationalen GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus entstanden. Es umfasst 288 Seiten. Erhältlich ist er ab sofort im Stöffel-Park und bei allen GeoInformationszentren des Geoparks, den Shops der vorgestellten Besucherbergwerke und Schauhöhlen sowie über den Onlineshop des LGB zum Preis von nur 25 Euro.
Die Fotoausstellung im Stöffel-Park ist bis zum 31. Mai 2026 zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung täglich (außer montags) und an allen Feiertagen.
Die Personen auf dem Foto
Von links: Markus Hof (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Westerburg, Vorsteher des Zweckverbands Stöffel-Park), Frank Inderthal (erster Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises, in Vertretung für Landrat Carsten Braun, den Vorsitzende des GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus e.V.), Roger Lang (Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz, kurz LGB), Staatssekretärin Petra Dick-Walther (Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz), Prof. Dr. Georg Wieber (Direktor des LGB von 2015 bis 2023), Jan Bosch (Geopark), Andreas Tschauder (Direktor des LGB), Michael Volkwein (Geopark).
(Text und Foto: Tatjana Steindorf)