Zwei, die zueinander passen: Ulla Meinecke und ihr Publikum

Volles Haus in Enspel! Eine ganz Große unter den deutschen Sängern gab ein Hautnah-Konzert in einem einmaligen Ambiente, im Herzen des Westerwaldes: Ulla Meinecke sang in der ausverkauften Alten Schmiede im Stöffel-Park und transportierte mit ihrer so warmen wie rauen Stimme Leidenschaft und Witz, Nachdenkliches und Nonchalance. Die Zeit verging leider (zu) schnell.

Der Rahmen stimmt schon mal: Die Bühne liegt gut beleuchtet vor Augen und lässt einen schon mal neugierig werden. Mit dem Titel „Wenn zwei zueinander passen“ fängt das Programm von Meinecke und ihren beiden Musikern an. Sofort schleicht sich der Text in den Kopf, der typisch für viele von Meineckes Songs ist: scheinbar einfache Worte, die aber treffende und inspirierende Bilder enthalten und echt rüberkommen. Das gilt sogar für den unprosaisch wirkenden Titel „Schlaf“, den die selber von Schlafstörung gebeutelte Sängerin darbietet.

Eine Ausstrahlung, die Lebenserfahrung verrät

Nicht erst bei dem großartigen Lied „Bis ans Ende der Welt“, das sie mit Udo Lindenberg getextet hat, sieht man tatsächlich Ähnlichkeiten mit ihm. Diese Frau ist seit Jahrzehnten ein Star unter den deutschen Sängern. Und sie ist gereift, nicht etwa schlechter geworden. Es ist wohl die Ausstrahlung ihrer Lebenserfahrung, die ihrer Musik einen besonderen Reiz verleiht. Und sie wirkt locker, aber heischt nicht um Zuneigung. Sie spricht die Zuhörer an, aber rückt ihnen nicht auf die Pelle.

Wie geerdet steht Meinecke auf der Bühne – von ihrer schweren Erkältung und ihrem Schwindelgefühl ist ihr praktisch nichts anzumerken. Ein Husten zwischen zwei Liedern… Sie beruhigt: ihre Stimme sei wie ein Trecker, der ziehe immer.

Tom Waits – Meineckes musikalische Notfallapotheke

Sie singt Hommagen an Marc Cohn „Walking in Memphis“ und Tom Waits „Grapefruit Moon“. Letzterer gehöre in ihre Notfallapotheke, sagt Meinecke. Und tatsächlich entfaltet dieses Lied seinen Zauber, führt den Zuhörer in die Melancholie – und wieder hinaus. Ingo York und Reinmar Henschke begleiten Meinecke auf zahlreichen Instrumenten, bilden den Background für ihren Auftritt. Meinecke hält viel auf sie.

Ihre neueste Veröffentlichung trägt den ungewöhnlichen Namen „Wir waren mit Dir bei Rigoletto, Boss“. Ein Zitat aus dem Film „Manche mögens heiß“ – mit Marilyn Monroe. Na, und die ist ja kulturstiftend, wie angesichts der jüngsten Berlinale zu hören war. Die aus Hessen stammende Sängerin unterhält zwischendurch mit Anekdoten, die immer zu einem neuen Song führten. Sie besingt in aller Bescheidenheit, was ist, „wenn wir Glück haben“ und positioniert sich gleich darauf als tatkräftige Frau, die „50 Tipps, ihn zu verlassen“ bereithält.

Das Lied „Ich bin zu alt“ lässt die Zuhörer laut auflachen, dabei strahlt der rote Lippenstift von Meineckes Mund und unterstreicht eine gewisse Sinnlichkeit, die von ihr ausgeht.

„Die Tänzerin“ – sie darf auf keinen Fall fehlen

Nach drei Zugaben verlässt Ulla Meinecke mit ihren beiden Musikern „unsere kleine Basaltversammlung“, wie sie es nennt. Denn natürlich darf sie nicht ohne die „Tänzerin“ gehen. Und Rio Reiser lässt sie auch noch einmal lebendig werden. Und das ist ihr großes Talent – wer ihr zuhört, der fährt mit „Übers Meer“ und kann die Sehnsucht fühlen.

Der Stöffelverein war überaus glücklich mit dem Konzert. Und der Geschäftsführer des Stöffel-Parks, Martin Rudolph, hatte zwei junge Syrer aus der Verbandsgemeinde zu dem Event eingeladen, die hier einige neue Eindrücke mitnehmen konnten – und die auch nicht mit Applaus für die Künstler sparten.

Ein Hinweis am Rande: Wer versucht, sich über Ulla Meineckes Qualitäten per YouTube einen Eindruck zu verschaffen, ist absolut schlecht beraten. Das Livekonzert ist wirklich etwas vollkommen anderes.

(Text: tast, Fotos: Fotostudio Röder-Moldenhauer)

  zur Übersicht Neuigkeiten    zum Archiv