Vielschichtige Gemälde von Maria Zühlke

Gitarrenklänge zur Vernissage „Unter der Oberfläche” von Maria Zühlke (2. v. re.) im Stöffel-Park bot der Ehemann der in Dernbach geborenen Künstlerin dar. So schließt sich ein Kreislauf: Denn die eindrucksvollen Gemälde der Westerwälderin entstehen auch zumeist unter dem Eindruck seiner Musik, wie sie dem „Chef des Hauses”, Geschäftsführer Martin Rudolph, verriet. Sandra Hundelshausen, eine Freundin von Maria Zühlke, hielt die Laudatio vor rund 50 Besuchern. Anschaulich ging sie auf die Technik Zühlkes ein, die, von der Natur angeregt, mit Naturmaterialien arbeitet und eigene Spachtelmassen wie Sumpfkalk oder Marmormehl verwendet. Nicht zuletzt lässt sie dabei Geduld und Achtsamkeit mit in ihre Werke einfließen, legt Lasuren auf, zeichnet hinein – bis das Bild „nichts mehr braucht”. Die Gemälde sind noch bis Freitag, 5. Mai 2017, im Stöffel-Park in Enspel zu sehen, täglich von 10 bis 18 Uhr.

Sandra Hundelshausen (rechts im Bild) konnte mit ihrer Laudatio zu Ehren von Maria Zühlke (Mitte) den Gästen deren Kunst noch ein Stück näher bringen

Laudatio von Sandra Hundelshausen

„Ich möchte Ihnen gerne die Künstlerin Maria Zühlke vorstellen und Ihnen ihre Arbeitsweise und ihre Werke, die Sie in dieser Ausstellung sehen können, etwas näher zu bringen. Maria Zühlke ist Westerwälderin, geboren 1951 in Dernbach, aufgewachsen in Wirges, zur Schule gegangen in Montabaur. In ihrem Elternhaus erlebte sie früh eine künstlerische Atmosphäre und wird von den Eltern in ihren Begabungen gefördert. Der Vater ist Architekt, die Mutter sehr musikalisch und in der Region als Malerin bekannt. Maria Zühlke hat schon als Kind Freude an der Malerei, ihre Begabung wird auch in der Schule erkannt und hervorgehoben.

Die Kreativität wartet geduldig auf ihr Coming-out

Anfang der 70er geht sie zum Lehramtsstudium nach Freiburg, kehrt später zurück in den Westerwald – Familienphase. Eigene Interessen, auch die künstlerischen, müssen zugunsten der Familie noch zurückgestellt werden, aber bleiben unter der Oberfläche immer lebendig und warten auf ihre Zeit … Seit 1987 widmet sich die Künstlerin wieder intensiv der Malerei, beschäftigt sich mit neuen Techniken und Ausdrucksmöglichkeiten, experimentiert mit verschiedensten Materialien. Besonders der Ansatz der Essener Künstlerin Gabriele Musebrink inspiriert Zühlke sowohl in der Auswahl der Materialien als auch in der intuitiven Herangehensweise.

Geduld und Achtsamkeit wirken am Schaffensprozess mit

Ein Gemälde entsteht in einem komplexen Prozess, in Schichten, es wächst heran. Intuitiv greift die Künstlerin ein und gestaltet bewusst und lässt auch geschehen, was das Material von sich aus bewirkt: Trocknungszeiten verändern das Bild, Risse und Narben entstehen, Farbverläufe finden ihren Weg. Diese Arbeitsweise verlangt Hingabe und Offenheit, Achtsamkeit und Geduld, ein Gespür für Komposition und Gleichgewicht.

Die Natur fließt direkt mit ein

In dieser Ausstellung zeigt Maria Zühlke abstrakte Werke, Anmutungen von Natur und Landschaft. Die eigene Naturerfahrung beim Wandern gibt oft den Anlass für ein Gemälde. In ihrer Farbigkeit bleibt die Künstlerin meist nah an der Natur. Immer wieder findet sich die Kombination aus erdigem Kasslerbraun und kühlem, luftigen Türkis. Warm – kalt, Erde – Äther, Irdisches und Geistiges. Auch die Werkstoffe, aus denen sie eigene Spachtelmassen herstellt, entstammen der Natur: Sumpfkalk, Marmormehl, Kreiden …

Erläuterung zum Gemälde „Winterstrukturen” und „Frühling”

Beispielhaft möchte ich Ihnen die Sumpfkalktechnik vorstellen am Gemälde „Winterstrukturen”: Ähnlich wie in der jahrtausendealten Technik der Freskenmalerei, die wir aus Kirchen kennen, baut die Künstlerin auf einem festen Untergrund aus einer feuchten Masse aus Sumpfkalk Schicht um Schicht auf, eine feste Basis entsteht. In die oberste Schicht werden die Farben eingearbeitet, Pigmente eingepustet, Tuschen verwendet, die Oberfläche mit verschiedensten Werkzeugen gestaltet und strukturiert. Dabei entstehen höchst lebendige Oberflächen, die auch den Blick auf die tieferen Schichten freigeben und mit ihnen eins werden. Unter der Oberfläche … Eine andere Werkgruppe zeigt im Gegensatz mehr Farbe und Leichtigkeit. Wir betrachten das Bild „Frühling” exemplarisch: Auch hier entsteht das Gemälde prozesshaft: Maria Zühlke legt zarte Lasuren an, in die sie hineinzeichnet, Zeichen setzt, wiederum mit Lasuren und Farbschichten entstehen neue Strukturen, auf die sie antwortet, bis das Bild, wie sie sagt „nichts mehr braucht”.

Gemeinsame Schnittpunkte der Gemälde und des Stöffel-Parks

Mit dem Titel „Unter der Oberfläche” nimmt uns die Künstlerin mit in die Tiefe ihres Schaffensprozesses und schlägt auch eine Brücke zu diesem Ort hier, dem Stöffel-Park. Auch hier ist das Wesentliche unter der Oberfläche, werden die Schätze aus der Tiefe geborgen. Kunst entsteht letztlich von innen im Dialog zwischen Künstler und Werk, sie ist Äußerung des Künstlers und führt ihn auch über sich selbst hinaus, in die Tiefe, in die Weite. So wie sich die „wahre Schönheit” eines Menschen erst durch die Spuren seines gelebtes Leben zeigt, die charakteristischen Falten, die Herzensweisheit, die durch Gesten und Taten durchschimmert, offenbaren die Gemälde von Maria Zühlke beim genauen Wahrnehmen und Sich-Einlassen ihre Wahrheit und es lohnt sich, genau hinzuschauen!”

Hand in Hand

Die Fotos anlässlich der Vernissage machte Fotograf Volker Horz aus Härtlingen. Er wird Maria Zühlkes Ausstellung ablösen und präsentiert seine Arbeiten ab dem 7. Mai 2017 im Café Kohleschuppen. Bei den regelmäßig wechselnden Kunstausstellungen im Café Kohleschuppen des Stöffel-Parks ist Marli Bartling Vermittlerin und Ansprechpartnerin. Auch sie hieß die Anwesenden willkommen.

Einladung an alle Kunstliebhaber

Alle Interessierten sind eingeladen, die Werke von Maria Zühlke zu betrachten, in Ruhe auf sich wirken zu lassen, wahrzunehmen. Bitte berühren Sie die spannenden Oberflächen nur mit den Augen, auch wenn sie zum Betasten und Fühlen förmlich einladen, wie Sandra Hundelshausen es so schön ausdrückt.

(Fotos: Volker Horz)