Slide-Gitarrist Richard Bargel und Band beehren den Stöffel-Park

So macht Blues richtig Spaß. Beeindruckende Bluesmusiker haben ihre Kunst am 30. April in der Alten Schmiede im Stöffel-Park auf die Bühne gebracht. Der markante, vielseitige, inspirierende Richard Bargel und die Band „Dead Slow Stampede“ gaben sich die Ehre.

Der Blues erdet ihn

Wer Bargel einmal gesehen hat, wird ihn kaum vergessen können. Der große, markante Mann aus Köln ist mindestens so interessant, wie er aussieht. Er ist weltoffen und vielseitig aktiv. Da er gerne erzählt und viel erlebt hat, ist es kein Wunder, dass er auch Bücher schreibt. Doch scheint es der Blues zu sein, der den Kölner erdet.

Zur Geburtsstunde des Blues um 1900, der neben amerikanischen Wurzeln auch europäische und karibische Einflüsse in sich aufnahm, ist auch die Schmiede in Enspel gebaut worden. Der Blues ist nicht nur dem Ernst des Lebens oder der Melancholie verpflichtet. Er hat sich bereits vor rund 100 Jahren gerne mal anzüglich, unterhaltsam, tanzbar gegeben. Musiker haben mit ihm Arbeiter unterhalten. Und im Stöffel guckten sie nun (auf einem historischen Foto abgebildet) dem Mann mit dem Silberfinger – dem Slide-Gitarrenspieler Bargel – über die Schulter.

Ein Abend mit echten Hinhorchern

„It’s Crap“ heißt die Tournee der Musiker. Der Titel ist dem gleichnamigen Song geschuldet, den Bargel schrieb, weil ihm die Fixierung auf die Schnäppchenjagd, auf das Billige auf die Nerven fiel. Und gar nicht sparsam ist der satte Sound, mit dem der Beitrag daherkommt.

Neu ins Programm bringt Bargel den „You Just Look Great“-Beitrag über einen Mann, der einem Rendezvous entgegenfiebert. Der schleppende Rhythmus und Bargels Stimme, die grandios ins Tiefe abtauchen kann, macht richtig Spaß. Und die Rhythmen sind echte Hinhorcher. Man wünschte sich noch ein Lagerfeuer her und eine sternenklare Nacht – und vielleicht noch ein paar Wölfe. Diese Assoziation ruft die überzeugende Wolfsgeheuleinlage in dem Lied „I Will Die For You“ hervor. Maultrommel, Gesang – und orgastische Laute lässt Bargel in einem anderen hervorragenden Beitrag genüsslich-anzüglich hören. Wieder gilt: Kein Song ist so, wie man das erwarten könnte. Die Zuschauer standen drauf, wippten vergnügt im Rhythmus der Musik und scharten sich um Bargels ausgelegte CDs und Schallplatten (!).

Immer wieder das Gefühl, eine Jam-Session mitzuerleben

Die Truppe um Bargel ist fantastisch. Sie transportieren zusammen ein eigenes Lebensgefühl. Die Musiker überzeugen alle – und weil das Zusammenspiel bestens harmoniert, macht das Ganze doppelt Spaß. Sie sind schon länger auf Tournee, aber geben einem immer wieder das Gefühl, eine improvisierte Jam-Session mitzuerleben – wie bei „Don’t Tell Me Lies“ (wieder ein Bargel-Werk). Sehr einfühlsam und intensiv ist das Spiel des E-Kontrabassisten Joe Didderen. Geert Roelofs (Percussion) hat ein Händchen dafür, den Rhythmus immer wieder auf neue Art einfließen zu lassen und setzt gezielte Effekte, auch er kennt kein Schema-F.

Drei Stunden, die wie im Flug vergehen

Bei „Lady of the Black Bamboo“ wird eine betörende Südstaaten-Magierin nach Asien verpflanzt. Passend dazu wandeln sich die Klangbilder, die auch einer abstrakten Kunstinstallation gut zu Gesicht gestanden hätten. Und die mystische Verwicklung greift noch weiter. Fabio Nettekoven, der junge kongeniale Saiten-Spezialist an Bargels Seite, hat just eine CD mit einer Frau aus New Orleans rausgebracht, die das Vorbild der Voodoo-Queen sein könnte. „Judy Spellman and Phavior Adelic“ heißt das Werk. Davon erzählt in der Pause Norbert Nettekoven, der Vater von Fabio. Er scheint mehr als „nur“ Techniker zu sein. Er ist Mitkünstler und Mitdenker. Seine Augen leuchten, wenn er von den Auftritten erzählt und an die Erlebnisse in verschiedenen Teilen der Welt denkt. Ein wenig konnten die Zuhörer beim Konzert davon mitnehmen.

Die Musiker gingen großzügig mit ihrer Zeit und ihren Gaben um. Und drei Stunden gingen im Nu vorbei. Ihre Freude an der Musik hatten auch Martin Rudolph, Geschäftsführer des Stöffel-Parks, sowie Dieter Wisser, Ortsbürgermeister und Vorsitzender des Stöffel-Vereins.

Richard Bargel kommt hoffentlich bald wieder – vielleicht auch in seiner Schauspielrolle als „Don Quichotte“. Der Westerwald könnte die Windräder dazu bieten und der Stöffel die Freiluftbühne. Kann doch nichts mehr schiefgehen! (tast/30.4.2016)

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