Ob 7 oder 77 Jahre alt: Winterwandern macht Spaß

Pünktlich um 9 Uhr ist der erste Bus voll und setzt sich vom Stöffel-Park Richtung Kloster Marienstatt in Bewegung. Dabei hat es in der Nacht noch so ausgesehen, als ob Blitzeis und Schneeglätte den dritten RZ-Winterwandertag in Gefahr bringen könnten. Doch die Räum- und Streudienste haben schon früh am Sonntagmorgen ganze Arbeit geleistet: Der Stöffel-Park ist aus dem Westerwald und auch den Nachbarregionen fast problemlos erreichbar.

Schon bei den ersten Gesprächen im Bus wird deutlich, dass Wanderer auch Naturfreunde sind. Die Gespräche drehen sich um die „Stunde der Wintervögel“, und manch einer wird ganz neidisch, wenn er die Liste der beobachteten Vogelarten hört, über die sein Sitznachbar gerade spricht.

Doch bald ist der Abteiparkplatz an der Nister erreicht. Wanderführerinnen Verena Killadt und Gaby Gollan geben zunächst einen kurzen Überblick über die 16-Kilometer-Tour und warnen vor teilweise glattem Weg. Und schon kann es losgehen – direkt über die schöne alte Brücke, die sich dort über die Nister spannt. Mann, ist der kleine Fluss dick zugefroren! Ob man denn warm genug angezogen ist...?

Nach einer halben Stunde haben die gut 60 Wanderer, die zwischen 7 und 77 Jahren alt sind, die Nistermühle erreicht: „Hier hat schon Konrad Adenauer Schutz gesucht“, wartet Verena Killadt mit kurzen Informationen auf, bevor es über ganz schön glattes Kopfsteinpflaster ans andere Ufer der Nister und in Richtung des Dorfes mit den gleichen Namen geht. Dort scheinen noch alle zu schlafen. Über eine Brücke wird zurück ans linke Ufer gewechselt. Jetzt rächt sich, dass sich die meisten Wanderer wegen der starken Minustemperaturen einfach zu dick verpackt haben: Die kleine Holzbachschlucht hinauf kommen alle ordentlich ins Schwitzen. Da fällt die Pause nach dem Aufstieg und dann auch die am Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg doch ziemlich knapp aus, bevor sich noch jemand verkühlt. Immerhin: Zeit für ein Pausenbrot und einen Schluck aus der Isolier- oder Wasserflasche bleibt allemal.

In der Löwenstadt heißt es noch mal aufpassen: Auf leicht rutschigem Pflaster führt der Weg ein Stück abwärts, bevor am Krankenhaus und Wohngegenden vorbei erneut bergan geht. Oberhalb der Stadt mit dem schönen Schloss sollte der Platz vor der Helenenhütte eigentlich einen schönen Blick auf den Hachenburger Westerwald bieten. Doch daraus wird nichts, der Nebel ist zu dicht. Aber das Wandern durch die jetzt richtig winterliche Atmosphäre mit Schnee und Eis hinauf zum Gräbersberg macht allen enormen Spaß. Und niemand scheint müde zu werden: Der siebenjährige Jan Flick hält genauso gut mit, wie die schon 77-jährige Hilde Zeunert.

Jöckels Hütte müssen die Wanderer heute links liegen lassen. Die Einkehr von 60 Leuten würde zu lange aufhalten. Also werden die letzten Brötchen vertilgt und die Reste von Kaffee und Wasser getrunken. Denn gut zwei Drittel der Strecke sind schon geschafft – und jetzt geht's erst mal bergab. „Normalerweise hat man auf dieser Strecke und vom Turm hier eine wunderbare Aussicht“, bedauern Killadt und Gollan in der Nebelsuppe. Mitwanderer Lukas klettert schnell auf den Aussichtsturm. Aber auch dort oben ist von der Sonne keine Spur zu sehen, ruft er hinunter. Bald ist zwischen den Bäumen die sagenumwobene Basaltformation des Weltersteins zu erkennen. Flott geht es einige Höhenmeter hinab Richtung Nistertal. Der Weg ist nicht mehr komplett mit Schnee bedeckt, und von den Bäumen fallen die ersten Tropfen: Das Eis taut. Ein letztes Mal geht es über die Nister und auch gleich über die Nistertalstraße.

Die große Wandergruppe ist mehr als diszipliniert: Alle wandern recht dicht beieinander immer noch mit flottem Schritt voran, obwohl jetzt durch Enspel hinauf zum Stöffel-Park am Ende noch ein paar Höhenmeter zu bewältigen sind. Doch das steigert nur den Appetit auf die leckere Kartoffelsuppe mit Speck und Mettwurst und den Dippekuchen mit Apfelmus, die in der gemütlich warmen Nissenhalle auf die jetzt doch hungrigen und auch etwas müden Wanderer warten. Aber man kommt nach nur vier (statt geplanter fünf) Stunden Wandern so günstig an, dass der Weg zur Essensausgabe gerade schön frei ist ...

Viele Helfer machen RZ-Aktionstag möglich

Ohne die vielen, meist freiwilligen Helfer wäre ein Ereignis wie der RZ-Winterwandertag einfach nicht möglich. Mit die wichtigste Aufgabe haben dabei die Wanderführer, die die Teilnehmer sicher durch die Wäller Natur führen.

Auf dem Weg vom Kloster Marienstatt waren das neben Verena Killadt und Gaby Gollan auch Nina Engel, Gerhard Frank und WZ-Redaktionsleiter Markus Müller. Josef Rüth, Marion Allmacher, Willi Kachler und Landrat Achim Schwickert begleiteten die Wanderer auf den zwei Touren vom Wiesensee zurück zum Stöffel-Park. Roland Hille, Werner Schuster, Rüdiger Pfeiffer, Manfred Franz und der Bad Marienberger Beigeordnete Thomas Kempf sorgten für den richtigen Weg vom Wildpark Bad Marienberg hinunter ins Nistertal. Auf eine Stöffelrunde nahmen Tanja Geibert und Dieter Wisser eine große Wandergruppe mit. Jens Hauschildt, Rudi Kairat, Michael Peter und Ulrich Klein begleiteten die Leser, die sich für die relativ kurze Tour von der Wiedquelle aus entschieden hatten. Einen kleinen Einblick in die Alte Burg ermöglichten bei Führungen Michael Lochner und Günter Baldus.

Die Teams vom Stöffel-Park und auch der Verbandsgemeinde Westerburg kümmerten sich um die komplette Infrastruktur und die Verpflegung. Weitere Teams unserer Zeitung, des Westerwald Touristik-Services und des Westerwald-Vereins sorgten für die Verteilung von attraktiven Teilnehmerabzeichen, das Gewinnspiel unserer Zeitung, die Organisation der Busfahrten und natürlich auch Informationen der Wanderer.

In die Gesamtorganisation steckten Stöffel-Park-Geschäftsführer Martin Rudolph und seine Mitarbeiterin Carmen Engel, Vanessa Henrich von der Marketing-Abteilung unserer Zeitung sowie Katrin Cramer und Anna Leukel vom Westerwald Touristik-Service über Wochen jede Menge Energie und Arbeit. Aber schon am Ende des Wandertages wurde an den zufriedenen Gesichtern ziemlich aller deutlich, dass einem vierten RZ-Winterwandertag wohl nichts im Wege steht.

(Text: Markus Müller, Fotos: Fotostudio Roeder-Moldenhauer)

  Impressionen vom RZ-Winterwandertag am 8. Januar 2017

 

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