Musikertrio umspielt das Publikum

Jazzbrunch mit viel Verwöhnaroma! Das ist ein Luxus: Während sich 50 Gäste am großzügigen Buffet bedienen und ihr Brunch schlemmen, spielt das Trio Sounds and Grooves ganz diskret, samtig-weich die schönsten Jazzstücke – mit viel „Schubiduu“ und zu Herzen gehenden Klavier- und Kontrabasseinlagen. So sah es aus im Stöffel-Park. Geborgen im kuscheligen Ambiente der Alten Schmiede, waren zu allem Überfluss durch die Fenster auch noch die schwebenden Schneeflocken zu sehen. Ja, heimeliger geht’s kaum noch. Prompt ist noch die Zeile „Who could ask for anything more“ (aus Gershwins Lied „I Got Rhythm“) zu hören, die wie ein Kommentar dazu wirkt.

Bescheiden treten die Musiker Michael Kotzian (Klavier), Sängerin Hilde Vanhove und Stefan Werni (Kontrabass) zurück, um den Wünschen des Publikums nach Kommunikation Raum zu gewähren. Ruhig und leise bieten sie ihre Kunst dar, nehmen Geschwindigkeit raus. „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ wird von Vanhove fast flüsternd angestimmt – bezaubernd geht der Kontrabass darauf ein. Und hier wird das Band hörbar zwischen Ensemble und Gästen: letztere werden auch stiller.

Ist eine solche Auftrittssituation für Musiker nicht frustrierend? Die drei Musiker schütteln den Kopf. Nicht, wenn man darauf eingestellt ist, meint Werni. Zu 98 % haben sie reine Konzertauftritte. Wenn sie Hintergrundmusik bieten, macht Hilde Vanhove deutlich (die Belgierin bedient sich dabei der englischen Sprache), seien sie aber froh, wenn sie nicht gegen eine Geräuschwand ankämpfen müssten. Das sei hier nicht der Fall, sagte sie, und lobte die Konzeption im Stöffel-Park, denn hier ist die Bühne nicht mit Tischen umringt. Gerne arbeite sie mit Gesten, um Inhalte zu transportieren.

Bei dieser Gelegenheit könne man auch mal einen Song ausprobieren, den man noch nicht in einem großen Konzert präsentieren würde, meint die Sängerin mit der warmen Stimme, die Wert auf Paraphrasierung legt. Das lässt der Pianist und Komponist Michael Kotzian nicht ganz so stehen. Man ahnt: Seine Ansprüche sind zu hoch, um ein echtes Risiko einzugehen. So zurückhaltend wie er beim Interview ist, so ist er auch auf der Bühne. Selbst wenn das Klavier zum Hauptakteur wird, bleibt sein Spiel fließend, harmonisch, abwechslungsreich. Er trumpft nicht mit schriller Tastenakrobatik auf und Effekthascherei. Er dient der Musik, dem Hörgenuss, nicht der Selbstdarstellung.

„Jazz has many faces“, sagt Hilde Vanhove. Das Element der Improvisation lässt diese Musik zur besten Livemusik werden und braucht sie auch. Das Trio führt im Repertoire Lieder wie „Days of Wine and Roses“ (Henry Mancini), „Blue Moon“, „One Note Samba“ und Água de Beber (António Carlos Jobim) oder Gershwin-Songs wie „But Not for Me“.

Zwischendurch pausieren die Musiker immer wieder eine kurze Weile. Auf die Nachfrage der Sängerin, ob die Musik auch ganz hinten gut zu hören sei, fordert ein Gast sie auf, gerne lauter zu werden, er strahlt, denn er kennt die gespielten Lieder, würde selber am liebsten gleich einstimmen.

Schmeichelnde Töne und weiches Klavierspiel umspielt die Tafelrunden. Und die Menschen hier, so scheint es, wissen ihr Glück zu schätzen. (tast, 07.03.2016)

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