Geschafft! MTB-Stöffel-Race

Freude über das Durchhalten, den Sieg über den eigenen Körper, die Teamleistung und neue persönliche Rekorde … Nach 24 Stunden Fahren mit dem Mountainbike herrscht gute Stimmung im Stöffel-Park. Allenthalben sind jetzt entspannte Gesichter zu sehen.

Das perfektionierte Chaos

288 Sportler haben für das 24-h-MTB-Rennen den Stöffel-Park zum Lagerplatz gemacht. Die Plätze konnten sich die Camper selbst aussuchen, auf der Suche nach Schatten rückte man auch schon mal zusammen, berichtet Hans-Christian Mager, der Organisator - oder eher: Verfechter des friedlichen Chaos-Prinzips. „Denn wenn ein anderer die Plätze verteilt, fühlt man sich schnell benachteiligt und Unzufriedenheit kommt auf”, erklärt er und preist die Freiheiten, die sich die Teilnehmer hier nehmen können. Das ist eine Spezialität von Martin Rudolph (Geschäftsführer des Stöffel-Parks) – was möglich ist und nicht unnötig gewagt, ist zunächst einmal nicht ganz von der Hand weisen. Hauptsache, alle sind glücklich.

Nächtliche Impressionen

Und davon hat er sich selbst überzeugt. Bei der Preisverleihung auf der Open-Air-Bühne fasst Rudolph seine Beobachtungen von den Rundgängen zusammen. Zum ersten Mal seit vier Jahren hat es nicht geregnet beim MTB-Rennen. Diesmal ließen es die Sportler in der Hitze ordentlich stauben. Nachts waren die Dopingmittel im Fahrerlager zu begutachten: Bier in allen Variationen – Vieles davon alkoholfrei. In den frühen Morgenstunden radelten die Teilnehmer – ob als Einzelkämpfer, als Zweier-, Vierer- oder Achterteam unterwegs – dann durch den Nebel.

Etwas Spaß muss sein

Den Wettkampf hat Mager als „sehr fair empfunden” – die gröbste Gemeinheit habe sich wohl ein radelnder Hesse geleistet, der einem Kontrahenten versprach: „Isch vernasche disch, du Offenbacher!” Es habe eine extreme Steigung des sportlichen Fahrerfeldes gegeben, sagt Mager. Frauen und Männer und Kinder waren dabei – zwischen 14 Jahren und 60 plus. „Die Strecke ist sehr anspruchsvoll zu fahren, das schätzen auch Topfahrer”, erklärt er.

Alles sind eine große Racing-Familie

Für das wohlwollende und großzügige Handling dankt er der Gemeinde Enspel und dem Stöffel-Park sozusagen im Namen der „Stöffel-Race-MTB-Familie”. Und er würdigt die große mentale Stärke der Frauen und Männer beim 24-Stunden-Rennen... „Voll geil”, lautet sein Lob. Ein Achterteam besteht zum Beispiel aus Beschäftigten der Firma Kempf, die von Fa. Kind (Fahrzeuglackierung) gesponsort werden, wie Mathias Boller erläutert. Ein anderes Achterteam nennt sich „Wäller Biker’s Club”. Hier erzählt Matthias Gutmann, dass sie nicht nur an ihren eigenen Spaß denken wollten und daher für die Krebshilfe Gieleroth Spenden sammeln.

Fairplay reicht über den Stöffelrand hinaus

Viele der anderen Teilnehmer haben schon Geld in ihr Sparschwein geschmissen, und über Sponsoren sollen rund 1.300 Euro zusammenkommen. Ein toller Erfolg, über den sich alle freuen.

Endlich geschafft!

Für das Podium werden noch einmal alle Kräfte aufgeboten. Die Gewinner sind besonders gefordert, den ersten Platz zu erklettern, die Beinmuskulatur spielt scheintot. Das gegenseitige Gratulieren ist herzlich, der Stolz auf die eigene Leistung auf sowieso klar, dafür braucht es keine besondere Platzierung. Auch Kids waren mit dabei. Jeder nimmt sich seinen Pokal in Form eines Stöffel-Race-Gedenkstein mit.

(Text: Tatjana Steindorf, Fotos: erstes von Martin Rudolph, Rest: Tatjana Steindorf)

Die Westerwälder-Zeitung über das 24h-Rennen

Ralf Kaltz rettet Sieg vor Lars Schäfer ins Ziel

Radsport Das anspruchsvolle 24-Stunden-Mountainbikerennen im Stöffel-Park verlangt den rund 300 Teilnehmern alles ab

Von unserem Mitarbeiter Thomas Oesterreich

Enspel. Die vierte Auflage des „Stöffel-Race”, eines 24-Stunden- Mountainbikerennens durch den Tertiär-, Industrie- und Erlebnispark, gewann Ralf Kaltz aus Kempenich vor Lars Schäfer aus Nisterberg. Als beste Frau im Einzelfahren erwies sich Claudia Goldstrass aus Duisburg. Punkt zwölf Uhr mittags machten sich etwa 300 Fahrer auf zu einer außergewöhnlichen Wochenendbeschäftigung. Wer die meisten Runden zu etwa 3,8 Kilometern in 24 Stunden zurücklegte, wurde auf der Basaltbühne am Folgetag geehrt. Einzelfahrer, Zweier-, Vierer- und Achterteams aus Nah und Fern belebten fortan den spektakulären Geopark, der mit seinen imposanten Gebäuden an eine Goldgräberstadt erinnert. Die Fahrer hatten andere Ziele. Runde um Runde, 65 Höhenmeter, rasante Abfahrten und kräftezehrende Anstiege wie den „Bremsberg.

Hier galt es bei sommerlichen Temperaturen bei etwa zwölf Minuten dauernden Rundenzeiten für die Einzelfahrer die Kräfte sinnvoll einzuteilen. Am Start war die Euphorie noch groß, Jimmy Vanlerberghe reiste aus Holland an, meinte: „Hier kann man schon gewinnen, und lächelte seinen Nachbarn Lars Braun an. Der Niederländer unterschätzte wohl die Hügel im Westerwald und musste sich nach 24 Stunden mit Platz 26 begnügen. Lars Braun wurde Sechster und schaffte 82 Runden. „Der Boden ist schön hart, deshalb ist ein geringer Luftdruck wichtig, klärte ein Fahrer vom Siegerländer Vierer-Team „Die Basaltbrecher auf. Nach 24 Stunden kamen sie auf Platz neun. „Der Schotter zieht die Körner aus den Beinen, aber das Verhältnis von bergauf, bergab ist ausgeglichen, meinte Walther Friesen. Es waren schon einige Teams mit lustigen Namen unterwegs, bei denen der Spaß im Vordergrund stand. Sonja Schneeloch war als Betreuerin des Teams „14.30 Uhr aus Fernthal an der Strecke.

„Das Team heißt so, weil es sich immer um diese Zeit zum Training trifft, berichtete sie. Die führenden Teams und Einzelfahrer lagen eng beieinander, und es war spannend, wie die Taktik in der Nacht das Geschehen beeinflusste. Martin Rudolf vom Stöffelpark kam schon früh am Sonntag an die Nissenhalle und berichtete, dass die Fahrer gespenstig durch den Frühnebel huschten. Ralf Kaltz lag am Vormittag drei Runden vor Lars Schäfer. Bei 22 Grad hatte er gegen 10.30 Uhr schon 104 Runden absolviert, der Vorjahresgewinner Michael Brauns schaffte in 24 Stunden 99 Runden. Lars Schäfer blieb auf Platz zwei. Der „Wäller Bikers Club aus Kroppach hatte als Achter-Team noch andere Vorhaben: Sie sammelten für die Kinderkrebshilfe Gieleroth. Pro zurückgelegter Runde wanderte ein Euro in den Spendentopf. Die Fahrer um Ronny Gutmann steckten weitere Teams an, für den guten Zweck zu radeln. Um 12 Uhr mittags hatte Ralf Kaltz aus Kempenich 109 Runden geschafft. „Im letzten Jahr haben wir hier als Zweierteam gewonnen. Marco Bastiansen ist im Urlaub, so bin ich halt alleine gefahren, scherzte er.

Sein Betreuer gab ihm regelmäßig die Zeiten der Konkurrenten durch, und so machte er immer das notwendige Tempo. „Ich fahre anfangs langsam und halte mich aus dem Getümmel fern, aber dann springt der Diesel an, erklärte er und gönnte sich ein (alkoholfreies) Weizenbier. Es war das erste Einzelrennen über 24 Stunden für Lars Schäfer. „Ich fahre sonst in Viererteams, die Strecke ist durch die knackigen Steigungen schon hart. Am Morgen kam ich Ralf immer näher und hatte gute Beine. Aber der macht das schon länger. Im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt, will der Nisterauer angreifen. Mit der Startnummer 1001 meldete sich schon sehr früh Claudia Goldstrass aus Duisburg an. „Letztes Jahr dachte ich: nie wieder, sagte die 42-Jährige. „Die Strecke ist nervig, da es kaum Platz zum Überholen gibt, und meine gemessenen 3000 Höhenmeter gehen in die Beine. Da fragt man sich unterwegs, wieso man sich das antut. Im Zielbogen weiß man dann warum, erklärte sie erleichtert. „Ich bin mit Zahnschmerzen gefahren, sagte Sabine Podzus aus Bonn, die mit 38 Runden den zweiten Platz bei den Frauen erreichte. „Die Nacht ist mein Freund, fügte sie an und lobte die gute Beleuchtung ihres Rades. Marcel Mies aus Alpenrod erreichte mit dem Viererteam des Skiclubs Bad Marienberg/Unnau Platz zwei nach dem Team Custom-Cycling und forderte: „ Mehr Streckenposten wären sinnvoll. Wir hatten nur einen Plattfuß, sonst lief alles reibungslos.” Die Fahrer lobten allesamt das familiäre Rennen, bei dem jeder dem anderen half. Hans Christian Mager sagte abschließend als Veranstalter: „Wir wollen die fünfte Auflage, es waren zwei schöne Tage im Stöffel.

Ergebnisse im Zahlenspiegel auf dieser Seite

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 11. Juli 2017, Seite 13

Radsport

24-Stunden-MTB-Rennen in Enspel

Einzel Männer (33 Teilnehmer): 1. Ralf Kaltz 109 Runden; 2. Lars Schäfer 106; 3. Ralf Vogt 94; 4. Michael Schäuble 89; 5. Sebastian Schmidt 84; 6. Lars Braun 82; 7. Frederik Laipple 74; 8. Jörg Biereder 73; 9. Klaus Jung 73; 10. Nils Schäfer 70.
Einzel Frauen (4): 1. Claudia Goldstrass 43 Runden; 2. Sabine Podzus 38; 3. Susanne Schneider 15.
Zweierteams Männer (14): 1. Northwave Team 123 Runden; 2. Team Lava Bike Nidda 121; 3. PST-Racing-Team 117; 4. Stöffelstürmer 112; 5. TwentyFourPains 107; 6. Hillscheider Altlasten 100. Mixed (4): 1. Cycle-Point-Stock 111; 2. Die Kurzentschlossenen 108; 3. Cycletec Centurion 103.
Viererteams (27): 1.Team Custom-Cycling 148 Runden; 2. SC Bad Marienberg-Unnau 146; 3. Happy Trail Surfer 144; 4. Team 14.30 Uhr 142; 5. Team Radsport Nagel 139; 6. PST Racing and Friends 133. Mixed (4): 1. Gute N 8 119; 2. DDMC Solling 24h Riders 117; 3. Team Bike Factory Frohnhausen II 100.
Achterteams (7): 1. Conway-Allstars 133 Runden; 2. Training wird überbewertet 127; 3. Wäller Bikers Club Schlaflos(e) im Stöffel 125. Mixed: Gipp-Hopp-Hoorayyy 103.