Emotionales Konzert in der Alten Schmiede

Seine Fans lieben ihn für seine Lieder, die „Sinn, Herz und Verstand” haben. Da passt es natürlich gut, dass Purple Schulz aktuelles Programm  „Sing des Lebens” heißt. Vom ersten Moment hat er das Publikum mit „Ab heute ist für immer” bei seinem Auftritt in Enspel auf seiner Seite. Und in der Alten Schmiede des Stöffel-Parks wird gleich mitgesungen bei „Schöne Leute” und bei „Du bist da” gerne für Hebammen und Hospizhelfer die Stimme erhoben.

Optimistisch klingen seine Lieder, die Melodien sind eingängig. Die Texte, die der Kölner mit seiner Frau Eri schreibt, verbinden eine angenehm normale Sprache mit Hintersinn. Sie machen es wie Eulenspiegel: sagen, wie  es ist und enthalten sich des Nörgelns. Und wo der Humor dann schweigt, bleibt immer eine Tür zum Weitergehen offen. Selbst wenn der „Sehnsucht”-Schrei „Ich will raus” erklingt, so ist das eher ein Entschluss zur Änderung als ein Aufgeben.    

Der fast immer muntere Auftritt, bei dem Purple Schulz all sein Gefühl reinlegt, tut gut, ist Seelenbalsam. Während Schulz auf dem Keyboard leidenschaftlich und souverän herumwirbelt, begleitet Gitarristen, Banjo- und Geigenspieler Markus Wienstroer ihn konzentriert und mit beeindruckenden Soli.  

Es wird gelacht und erleichtert festgestellt, dass in unserer verrückten Welt nicht alle den Verstand abgegeben haben. Auch „Das ist die Zeit” klingt nach Ohrwurmmusik, achtet man aber auf den Text, könnte es eine Hymne sein: einfach für sich zum Aufbauen oder sogar für die ganze Gesellschaft.

Zwischendurch flechtet Purple Schulz Anekdoten ein, etwa über den Begriff „Übergangsjacke”... Er spricht über seine Vorliebe für’s  Westerwaldbräu, erwähnt aber auch, dass das Thema Hambacher Forst ihn beschäftigt.

Er meint, Lieder spiegeln die Gesellschaft. Der deutsche Schlager habe sich seit Jahrzehnten nicht verändert, und das gelte auch für die Politik.

Es kommen alte Liebesleidlieder auf die Bühne („Nur mit dir”), aber auch neue Liebeslieder für Ältere.  „Das letzte Mal”: Das ist sensibel und anrührend, eine Würdigung für eine langjährige Partnerschaft, die es Wert ist, die letzte zu sein. Diese leisen Lieder stehen ihm, der nun auch mehr als 60 Lenze zählt, sehr gut. Nach den Zugaben sind insgesamt fast drei Stunden vergangen, die wie im Flug vorbeigingen. Es empfiehlt sich, zu Hause und unterwegs den Liedern und ihren Texten noch einmal ausgiebig zu lauschen – und mitzusingen, sich einzubringen und vielleicht etwas zu verändern.

(Text und Foto: Tatjana Steindorf)

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