Elektronische Musik bei 56Grad an den ehemaligen Basaltbrecheranlagen

Enspel. Der heißeste Punkt auf dem Westerwald lag mitten im Stöffel-Park in Enspel. Dort fand zum zweiten Mal das „56grad im Park“-Festival für Freunde der elektronischen Musik statt. Mit mehr als 1000 Besuchern konnten die Veranstalter trotz gelegentlicher Schauer einen Besucheranstieg verzeichnen. Wo früher Basaltbrecher die Soundkulisse der Umgebung prägten, ist heute Ruhe eingekehrt – bis die 56grad-Crew dem Areal neues Leben einhaucht und den alten Steinbruch mit hämmernden Beats flutet. „Uns ist es auch wichtig, mit der Veranstaltung ein Stück Heimat und Geschichte zu zeigen, erklärt Andreas Buschhorn, Mitveranstalter des Open Airs. Die Reaktionen und Fotos in den sozialen Netzwerken zeigen, dass die Idee funktioniert: Viele Besucher kommen am Wochenende wieder, um sich das Industriedenkmal noch einmal ganz in Ruhe anzuschauen. Das dürfte ganz im Interesse des Stöffel-Vereins sein, der den Rave im Park mit veranstaltet und ihn durch seine Zustimmung erst möglich gemacht hat. Das Einzugsgebiet des Westerwälder Festivals umreißt dabei ein Dreieck von Köln bis Aachen und Würzburg und ist mit der Premiere im vergangenen Jahr direkt ein Pflichttermin für Freunde elektronischer Musik geworden.

Vinyl ist aus der Szene nicht mehr wegzudenken

Wie in anderen Genres auch erlebte Vinyl vor einigen Jahren einen neuen Aufschwung in der Szene. Das ist zum einen auf den besonderen Sound, zum anderen auf das nötige Handwerkszeug beim Umgang mit dem Plattenteller zurückzuführen. Buschhorn, der selbst bei 56grad auftritt, erklärt: „Die Beats aufeinander abzustimmen, erfordert mehr Geschick, und viele Leute wertschätzen einfach, wenn du live mixt.“ Andererseits bietet die digitale Technik mehr Freiheiten im Mix, der Musiker ist insgesamt flexibler und hat mehr Möglichkeiten, seine Sounds zu kreieren und die Zuhörer auf seine Reise mitzunehmen, wenn er statt eines Koffers mit Platten gleich 5000 Tracks auf seinem Laptop dabei hat. . Eingeleitet wurde die Veranstaltung von Arash und Thomas Schardt sowie Wild & Kins, sie lockten die Besucher erst einmal in den Stöffel-Park. Dann mixte Gabriel Ananda live, Oliver Koletzki betätigte sich als DJ. Dass der international bekannte Künstler des Berliner Labels Stil vor Talent auch „analog“ kann, hat er erst im Frühjahr beim „Housebesuch“, so der Titel des Auftritts mit dem hessischen Sinfonieorchester, unter Beweis gestellt. Damit wurde das Festival dem eigenen Anspruch gerecht, gute Qualität und gute Musik zu bieten – und das auch von Künstlern, die sonst nicht oft in der Region spielen.

Der Westerwald und seine DJs

Doch auch im Westerwald sind namhafte DJs zu Hause, zum Beispiel Dominik Eulberg, der ravende Ornithologe aus dem Westerwald. Seine Inspiration zieht er aus der Natur, denn „hier weißt du nie, was dich hinter der nächsten Biegung erwartet“, so Eulberg. Seinen musikalischen Anspruch umschreibt er dementsprechend naturnah und pragmatisch, „Mehr Fleisch am Knochen“ ist sein Motto. Heimat und Geschichte, Natur und Kultur – alles in einem Rave. Dominik Eulberg ließ es richtig krachen. Vor der Bühne versammelte sich alles was sich bewegen konnte und tanzten zu den hämmernden Beats. Der dann erst einsetzende Regen konnte niemand etwas anhaben. Bis 21.00 Uhr pünktlich zum Beginn der Übertragung des Endspieles der Fußballweltmeisterschaft dieser Sonntag der Elektronischen Musik bei „56 Grad“ endete. Der Wiederauflage dieses besonderen Festivals im Jahr 2015 steht nichts im Wege. Erste Zusagen der mitwirkenden Künstler gibt es schon.

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