Der Ahlmann ist wieder da – Begrüßungsstunde für einen alten Gefährten

Es ist, als sei ein altes Familienmitglied nach Hause gekommen. Der Ahlmann ist wieder im Stöffel: 62 Jahre, kompakt, stark und ein echter Hingucker. Gut, der Lack ist ab, aber das steht ihm. Geht man geduldig mit ihm um, startet er durch, schnurrt temperamentvoll auf und (naja, sagen wir es so) gibt eine mächtige Gaswolke ab. Sogar sein Gewicht steht ihm: 6,5 Tonnen bringt er auf die Füße, pardon, Räder. Denn Ahlmann ist kein Mensch, kein Tier – sondern ein Radlader. Aber einer, der große Gefühle weckt. Denn er ist ein echter Stöffelaner. Seit Mitte der 1950er Jahre war er lange Zeit in dem Steinbruch in Betrieb.

Viele Jahre im Stöffel gedient

Er war der erste Radlader am Stöffel, sagt Josef Dörner, Gästeführer im Stöffel-Park, der viele Jahrzehnte hier arbeitete. „Die nächste Maschine war ein Kaelble“, erzählt er. Auch Georg Schäfer gehört zum Begrüßungskomitee. Er kann sich noch aus seiner Kindheit an den Schwenklader erinnern.

Viele Jahre lang hat die Maschine im Steinbruch des Stöffels Loren mit Basalt gefüllt. Irgendwann wurden diese durch große Lkw ersetzt – und dafür brauchte es Radlader mit größerem Schaufelvolumen. Nach gut 30 Jahren – etwa um 1990 – wurde der „ahle“ Ahlmann von Hans-Günther Jösch (Weitersburg) erworben. Er kennt sich mit Oldtimern aus und kaufte die Maschine für 100 Mark „zum Rumspielen“, wie er sagt. Letztens sollte die Maschine aber, die nicht mehr zu aktivieren war, wieder verkauft werden. Und dass der Ahlmann nicht in „falsche“ Hände geriet, war Rolf Krieg zu verdanken, der Leute vom Stöffel-Park kannte und sie daraufhin ansprach …

Mit Geduld und viel Liebe restauriert

Der Enspeler Heinz Kempf holte den 6,5-Tonner wieder nach Hause und gab ihm ein vorläufiges Quartier. Nun ging es ans große Reparieren, denn der Ahlmann wollte sich nicht mehr rühren. Markus Hilpisch und Lothar Häbel machten sich ans Werk und tüftelten fast ein halbes Jahr an der Maschine. Einige fehlende Teile spendete Rolf Krieg. Das Werk gelang und bereits beim vergangenen Stöffel-Fest zeigte der Ahlmann, wie fit er wieder ist. Am besten kann ihn Lothar fahren, waren alle einig, denn der Ahlmann gibt sich sperrig, ohne Lenkhilfe und Synchronisierung im Getriebe.

Kraftvolle 45 PS, die rund eine Tonne stemmen

Erstaunlich ist für den Laien, was er mit 45 PS und drei Zylindern (luftgekühlt) für eine Kraft hat. Was dieser alte Stöffel-erprobte Radlader noch kann: Er kann seine Schaufel mit einer hydraulischen Stange hochstemmen, dann das Ganze 90 Grad zur Seite schwenken, um rund eine Tonne Gewicht abzuladen – etwa in eine Lore, wofür er früher genutzt wurde. Dieser Schwenklader gehört zu den ersten seiner Art überhaupt (1952 wurde dieser Typus von dem ehemals deutschen Unternehmen entwickelt). Der ursprünglich graue Schwenklader zeigt heute ein Muster verschiedener, größtenteils abgebröckelter Lackschichten. Und das steht ihm, das ist authentisch.

Rolf Krieg hatte eine wunderschönen blauen Mercedes-Lastkraftwagen aus den 50er Jahren mitgebracht. So konnte demonstriert werden, wie der Ahlmann früher Lkw belud.

Ein herzliches Willkommen – zurück im Stöffel-Park

Der Ahlmann hat etwas Ansprechendes. Tanja Geibert vom Stöffelverein vergleicht seinen Charme mit dem von „Wall E“ (aus dem gleichnamigen computeranimierten Film). Auch Patrick Geibert, Jan Häbel, Dieter Wisser (Vorsitzender des Stöffelvereins) und Martin Rudolph (Geschäftsführer des Stöffel-Parks) zählten zu der Begrüßungsrunde, die anschließend noch einige Anekdoten zu erzählen wussten.

Besucher können den Ahlmann nach der Winterpause – ab 1. März – auf dem Gelände des Stöffel-Parks besichtigen. Auch Streicheln ist erlaubt.

(Fotos und Text: Tatjana Steindorf)

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