Funde von unschätzbarem Wert

Nur einer harten, verwitterungsresistenten Basaltkappe war es zu verdanken, dass der Stöffel als Zeuge einer lange verschwundenen Welt der Abtragung durch Erosion entgehen konnte. Die vor Millionen Jahren aus dem feurigen Erdinneren geflossene Lava war zu einem dunklen, harten Gestein geworden – dem Basalt, einem vielseitig verwendbaren Rohstoff. Der kommerzielle Basaltabbau am Stöffel öffnete gewissermaßen ein Fenster zur Erdgeschichte.

Je tiefer der Abbau vordrang, desto näher kam er dem fossilführenden Ölschiefer, dem ehemaligen Stöffel-See. Ohne Fossilien ist es nicht möglich, die Geschichte der unbelebten und der belebten Welt und ihre Geheimnisse zu ergründen. Sie sind wichtige Zeugen der Erdgeschichte: Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Fische, Insekten und Pflanzen.

Heute können die am Stöffel gefundenen Fossilien im TERTIÄRUM ausgiebig betrachtet werden. Dort beschreiben und erklären viele Bilder und Texte das Leben der Tiere vor 25 Millionen Jahren.

  Entdecken Sie die Stöffel-Fossilien

Wirbeltiere/Säugetiere

1992 gelang dem Grabungsteam ein Säugetierfund, der den Stöffel weltweit berühmt gemacht hat. Die wissenschaftliche Bearbeitung des Skeletts dieses kleinen, mausähnlichen Tieres, der „Stöffel-Maus”, mitsamt Haaren und Magen-Darm­inhalt ergab, dass es sich um den ersten Skelettfund eines Kleinsäugers aus der ausgestorbenen Nagerfamilie der Eomyiden handelte. Er ließ sich als die schon durch einen einzelne Zähne und Knochen bekannte Art Eomys quercyi bestimmen, benannt nach dem Fundort Quercy in Frankreich.

Die besonders gute und komplette Erhaltung einer Flughaut erlaubte eine genaue Rekonstruktion der Fortbewegungs- und Lebensweise der so genannten Stöffel-Maus als Gleitflieger, ähnlich der heutigen Flughörnchen. Bis heute ist es der älteste Nachweis des Gleitfluges bei Nagetieren. Die Stöffel-Maus wurde vermutlich durch Windböen auf den See hinausgetrieben, wo sie ertrank.

Nicht weniger interessant: der Fund eines otterartigen Tieres. Bei dem 1996 geborgenen Teilskelett von Potamotherium valletoni handelte es sich um den bisher ältesten Nachweis eines otterartigen Fleischfressers mit Milch- und Dauerzähnen.  Der Zahnwechsel des Tieres war noch nicht abgeschlossen, folglich war es noch ein junges Tier. Das Skelett von Potamotherium ließ eine starke Anpassung an eine Lebensweise im Wasser erkennen.

Bevorzugt blieben natürlich diejenigen Tiere erhalten, die im See selbst lebten. Zu den seltenen Funden zählen daher Reste von landlebenden Tieren wie Maulwürfen oder Kormoranen und Hühnervögeln und einem Hasen.

 

 

Amphibien

Der Stöffel-See zeichnete sich durch einen besonders hohen Kaulquappenreichtum, meist eines einzigen frühen Entwicklungsstadiums, aus. Kaulquappen mit Arm- und Beinansätzen sind selten. Dies lässt den Schluss zu, dass die Kaulquappen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien verschiedene Lebensräume des Sees besiedelten. Bislang sind hauptsächlich Kaulquappen von Verwandten unserer heutigen Knoblauchkröten (Familie Pelobatidae) entdeckt worden. Sie wurden bis zu 20 cm lang!

Neben Fröschen aus der oben genannten Familie sind auch Exemplare der Froschfamilien der Ranidae (Verwandte der heutigen Gras- und Wasserfrösche), sowie der ständig im Wasser lebenden ausgestorbenen Froschfamilie Palaeobatrachidae (Gattung Palaeobatrachus) belegt.

Neben Froschlurchen wurden am Stöffel mehrere Schwanzlurche gefunden. Ihre heutigen Verwandten leben in Südostasien. Diese Salamander, Krokodilmolche genannt, sind auch aus anderen etwa zeitgleichen Lagerstätten (zum Beispiel Rott bei Bonn) bekannt. Sie lebten außerhalb der Laichzeit normalerweise auf dem Land. Dem Stöffel-See hatten sie sich besonders angepasst: Die Salamander blieben Zeit ihres Lebens an das Wasser gebunden.

Reptilien

Krokodile sind bisher nur durch Zähne, Magensteine und Koprolithen (fossiler Kot) nachgewiesen. Die Einzelzahnfunde sind auf den natürlichen Zahnwechsel zurückzuführen. Vermutlich handelt es sich um die Gattung Diplocynodon, bekannt aus der Grube Messel bei Darmstadt. Diese Krokodile erreichten eine Länge von etwa 1,20 Meter.

Bei einem kompletten Schildkrötenfund von 1997 handelt sich um eine oberoligozäne Bachschildkröte Palaeomauremys mlynarski.

Fische

Im Stöffel-See haben Massen von organischem Material, vor allem Kieselalgen, dafür gesorgt, dass der Sauerstoff in den unteren Wasserschichten vollständig aufgebraucht wurde. Dies war entscheidend für die Erhaltung.

Bislang wurden bei den Grabungen im Ölschiefer mehrere hundert Fische gefunden, die alle einer einzigen Art Palaeorutilus enspelensis angehören. Die bis zu zwölf Zentimeter langen Fische gehörten zur Familie der Karpfenfische, deren Nahrung überwiegend aus Insekten bestand. Dass weitere Fischarten fehlen, lässt möglicherweise Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung des Wassers und fehlende Zuflüsse zu.

Insekten

Prachtkäfer (Buprestidae) (©Erdgeschichte/M. Poschmann)

Die Abbildung zeigt einen Prachtkäfer (Buprestidae), der mit zu den am besten erhaltenen Funden im Stöffel-Park gehört (©Erdgeschichte/M. Poschmann)

Bei den am Stöffel gefundenen Insekten haben sich sogar die Farben und feinste Strukturen hervorragend erhalten. Für die Bestimmung der Verwandtschaftsverhältnisse unter den Insekten ist besonders die charakteristische Zeichnung der Flügeläderung wichtig. Käfer, wie etwa Pracht- und Rüsselkäfer, gehören zu den häufigsten Funden, während Libellen und Bienen, bei denen zum Teil noch Pollen in den Pollenkörbchen an den Beinen nachgewiesen werden konnten, sowie Wespen und Ameisen eher selten sind.

Spinnen und Weberknechte gehören ebenfalls zu den Ausnahmen. Die meisten derartigen Funde sind von einer dünnen Pyritschicht, einer Eisen-Schwefel-Verbindung, überzogen, sodass die für eine Bestimmung wesentlichen Merkmale wie Zahl und Lage der Augen oder der Bau des Geschlechtsapparates nicht mehr erkennbar sind.

Pflanzen

Die zahlreichen Blattfunde sind die Basis für die Rekonstruktion des Waldes am Stöffel-See. Die Ufer des Stöffel-Sees waren mit Schilf und Riedgräsern bewachsen. In etwas sumpfigeren Bereichen standen auch Weiden, Ulmen und Zypressen. Vom Ufer entfernt wuchsen Ahorn, Buche, Eiche und Ulme. Im trockeneren, höher gelegenen Hinterland kamen Fichten und Kiefern vor, auch Zypressen- und Lorbeergewächse. Neben einer Vielzahl von Blättern und Pflanzenhäckseln wurden vereinzelt sogar Blüten und Samenkapseln gefunden.