Die Arbeit im Steinbruch

Mehr als 100 Jahre Basaltabbau am Stöffel haben die wirtschaftliche Entwicklung der Region, das Denken und die Traditionen der Bewohner der Anliegergemeinden Enspel, Nistertal und Stockum-Püschen über Generationen hinweg geprägt. Die bis in die 1930er-Jahre errichteten und bis zum Jahr 2001 genutzten zusätzlichen Anlagen sind heute das repräsentative Beispiel der Basalt verarbeitenden Steine-Erdenindustrie im Westerwald und darüber hinaus.

Basaltabbau seit 1902

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Umgebung des Stöffels kaum Industrie. 1902 begannen die ersten Vorbereitungen für den Basaltabbau am Stöffel. 1903 wurde der Betrieb mit einfachsten Mitteln aufgenommen und die ersten Gebäude entstanden. Mit Spitzhacke, Hammer und Brechstange brachen die Arbeiter mit schwerem körperlichem Einsatz das harte Gestein aus der Wand und zerkleinerten es soweit für den Transport, dass es in Loren geladen werden konnte. Die fortschreitende Industrialisierung veränderte das Leben der Arbeiter drastisch. Viele Berufe im Steinbruch sind längst ausgestorben.

Meist ist es das Schicksal eines stillgelegten Steinbruchs, als lange Zeit sichtbare Wunde das Landschaftsbild zu prägen. Renaturierungsmaßnahmen verschließen diese Wunde oberflächlich, decken aber auch die Geschichte des Steinbruchs zu. Die Geschichte des Stöffels, des mit 140 Hektar größten zusammenhängenden Basaltabbaugebiets im Westerwald, soll dagegen lebendig bleiben und den Besuchern seine Geschichte erzählen.

Der Stöffel in seinen Anfangsjahren.

Gegründet zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Steinbruchbetrieb der Firma Adrian Basalt GmbH & Co. (seit 1. Januar 1986 Cronenberger Steinindustrie) während seiner Betriebszeit von knapp 100 Jahren immer wieder verändert. Vor allem der Firmenphilosophie der Inhaber ist es zu verdanken, dass zwar im Zuge des technischen Fortschritts Neuerungen eingebaut, alte Anlagen aber nicht, wie andernorts, abgerissen wurden. Immer fand sich eine Möglichkeit, Bewährtes weiter zu nutzen oder einer neuen Bestimmung zuzuführen. Die Geschichte des Basaltabbaus vom Beginn bis zur Stilllegung wird hier eindrucksvoll lebendig.

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Der Aufschwung der Region

Als im Jahr 1902 die Firma Adrian mit dem Bau eines ersten Brechers und der Bahnverladestation die Möglichkeit der Basaltgewinnung und -verwertung eröffnete, kam der Aufschwung für die Region. Die fast vollständig erhaltenen Werksanlagen der Firma Adrian sind ein in Deutschland einzigartiges Zeugnis der Industriegeschichte. Kein anderes Industrie-Ensemble des Basaltabbaus besitzt einen derartigen qualitativen wie quantitativen Reichtum an Maschinen, Werkzeugen und Betriebsgebäuden.

Der Steinbruchbetrieb der bereits im Jahr 1838 gegründeten Firma Adrian wurde im Laufe von Jahrzehnten immer wieder verändert und stets den wirtschaftlichen und technischen Gegebenheiten angepasst. Auch der Firmenname. Nach der Firma Adrian. kam die Cronenberger Steinindustrie. Industrialisierung und damit Automatisierung brachten zwar auch viele bauliche Neuerungen mit sich, ausrangierte Anlagen fielen jedoch nicht der Spitzhacke zum Opfer. Die Inhaber haben vieles bewahrt. So blieben Brechergebäude und unter anderem auch die Alte Schmiede erhalten – ein zentraler Punkt für die Arbeit im Steinbruch.

Über Generationen hinweg

Die Geschichte des Basaltabbaus vom Beginn bis zur Stilllegung wird im Stöffel-Park eindrucksvoll lebendig. Der Basalt hat das Leben von Generationen entscheidend beeinflusst. Für praktisch jede Familie in den umliegenden Ortschaften war der Steinbruch Grundlage für wirtschaftlichen Aufschwung. Oder in schlechten Zeiten eben auch für wirtschaftliche Krisen.

Arbeiten im Stöffel - eine wirklich harte Arbeit!

Die ersten Gastarbeiter

Mit den Jahren ging es stetig aufwärts. Ca. 1904 erfolgte der Bau der alten Schmiede, wo heute der Erlebnisraum „Historische Werkstatt“ untergebracht ist. Im Jahr 1906 waren zunächst sechs Arbeiter im Steinbruch beschäftigt. Die erste Brecheranlage wurde in Betrieb genommen. Die Auftragslage war gut und schon 1907 wurden zur Behebung des Arbeitskräftemangels 20 Italiener eingestellt. Der Wochenlohn betrug damals 35 bis 40 Mark.

Um ca. 1914 wurde die anfänglich zur Energieerzeugung eingesetzte Lokomobile – eine bewegliche Dampfmaschine – durch eine fest installierte Dampfmaschine ersetzt. Der Schornstein mit 38 Meter Höhe wurde zum neuen Wahrzeichen am Stöffel. Manches ging nun einfacher: Der Basaltabbau wurde durch Sprengungen erleichtert. Bereits 1912 musste daher ein Dynamitlager errichtet werden.

Die Dampfmaschine wurde 1922 durch drei leistungsstarke BBC-Elektro-Motoren (jeweils 125 PS) ersetzt, drei weitere Brecheranlagen entstanden. Die stolze Bilanz und vorläufiger Rekord: Im Jahr 1927 wurden 330.000 Tonnen Basalt in den Betrieben Stöffel, Hergenroth und Limburg abgebaut. In den 20er Jahren arbeiteten bis zu 1.000 Menschen im Steinbruch.

Schwere Arbeit im Stöffel – aber hier ist einmal Zeit für ein Gruppenfoto. Die Aufnahme stammt aus der Zeit 1928–1930. Ein Dokument, das ein bisschen erahnen lässt, wie schwer die Arbeit im Basalt-Steinbruch war. Wir danken Frau Hasselbeck aus Wuppertal, die uns das Foto geschickt hat, das unter anderem ihren Vater Albert Krämer aus Oellingen zeigt (vorne links, mit Kappe).

1949 erfolgte dann der Bau von Ersatzteilschuppen (Nissenhallen) und der Bau einer Unterkunft. Von 1950 an stand die Mechanisierung der Industrieanlagen im Mittelpunkt und der Transport der Steine wurde auf Lkw umgestellt. Außerdem kamen jetzt immer mehr Bagger zum Einsatz. Durch gewaltige Sprengungen wurden Tausende Kubikmeter Material gewonnen. Die Handarbeit war immer weniger gefragt.

Vorkommen erschöpft

120 Arbeiter waren zu diesem Zeitpunkt bei der Firma Adrian beschäftigt. 1958 folgte ein weiterer Fortschritt – ein Förderband von den Brecheranlagen direkt zur Bahnverladung.

Der Abbau war bis zum Ende des Jahres 2000 in Betrieb, zuletzt mit elf Arbeitern. Die Abbaumenge allein bei der Firma Adrian betrug im letzten Betriebsjahr 340.800 Tonnen. Die Basaltvorkommen in diesem Bereich des Stöffels sind erschöpft. Erhalten geblieben sind die eindrucksvollen Gebäude und Anlagen, die als Denkmal der Basaltindustrie deutschlandweit einmalig sind. Aus der einstmals imposanten Erhebung ist eine fast 100 Meter tiefer liegende Mulde geworden.

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