@coustics gaben drei besondere Weihnachtskonzerte

Die Band und ihr Erzähler rührten in Enspel die Herzen und Lachmuskel! Mit vielen Lachern, Applaus und zufriedenen Gesichtern vor sich haben die Musiker von @coustics und ihr Weihnachtserzähler ihre kleine Stöffel-Park-Tournee, von Freitag bis Sonntag, hinter sich gebracht. Jedes Mal war die Alte Schmiede voll besetzt, jedes Mal waren die @coustics großzügig mit den Zugaben. Dabei wurde für die „feine Herrenband“, wie sie sich nennen, nicht weiter geworben. Mund-zu-Mund-Propaganda haben die rund 400 Zuhörer nach Enspel fahren lassen. Denn hier stimmt auch das Ambiente. Eine Frau verriet, dass sie lieber die weite Anreise in Kauf nimmt, als die Musiker in einer Halle bei ihr vor Ort zu erleben.

„Sie sind ja echte Freaks!“

Mit ein bisschen Terror fing der Abend an: Erzähler Martin Steinmann erinnerte an die schattigen Seiten des zurückliegenden Jahres. „Sie sind ja echte Freaks, dass Sie sich aus dem Haus wagen“, begrüßte er das Publikum so schwarzhumorig wie charmant und hatte die Lacher auf seiner Seite. Sein Coming-out wurde auch gut aufgenommen: Er bekannte sich zu seinem Lehrersein! Kein Wunder also, wenn er ab und an zum Verquerdenken neigt und Bezüge herstellt zwischen sich als Raucher, der mittels Tabaksteuer den Kampf gegen den Terrorismus mitfinanziert, und der Feststellung, dass er laut Schachtelaufdruck selber sich und seinen Mitmenschen schadet … Darauf hatten die vier Männer von @coustics eine kraftvolle Antwort: „The Power of Love“.

Freunde, die einen Gig spielen

Die akustische Musik lebt insbesondere von den Gitarren und dem Cajon (gespielt von Bernd Gudernatsch). Eddi Stinner zückt ab und an auch die Trompete, was ein Ohrenschmaus ist. Den akustischen Bass spielt Stefan Bender. Der Neue, Bruno Kötting, tauscht die Gitarre oft mit dem Akkordeon aus. Und singen können sie alle gut. So wirken die @coustics nicht so sehr wie eine Band, sondern wie befreundete Solisten, die zusammen einen Gig spielen. Und das Publikum darf an dem Spaß teilhaben, sogar mitmachen. Ojojo! (Wie der Westerwälder sagt.) Ihre Selbsteinschätzung auf der Homepage trifft zu (www.atcoustics.de). Tatsächlich sind sie „emotional, mitreißend, lebendig“. Viele ihrer Coversongs sind einem lieber als das Original (Zitat eines Zuhörers).

Was für ein Repertoire!

Teilweise ist die Liedauswahl der passende Kommentar zu Martins humorvollen Einlagen. Späterhin läuft das Programm etwas auseinander zwischen den netten, weihnachtlichen Blödeltexten, die Martin mit sehr angenehmer Stimme vorträgt (auch singend und Gitarre spielend), und dem Programm der @coustics. Zumal auch seitens der Musiker teils zu viel des Guten geboten wird. Da sie sich, ebenso wie ihr Publikum, noch an die 1970er Jahre erinnern können, ziehen sie Richard Clayderman und Ricky King und die untergehende Sonne bei Capri einige Takte lang aus dem Schatten des Vergessens, um der Erheiterung zu dienen. Doch ihre anderen Beiträge sind einfach zu gut, dass man das wirklich hören will: „Teach Your Children Well“ (Crosby, Stills, Nash & Young), super ist auch Matt Simons „Catch & Release“ oder „Hold Back the River“. Bernds The-Police-Song (Synchronicity II), den sonst keiner kennt, ist anspruchsvoll, die Stimme toll und die Gitarrenbegleitung hervorragend. „Follow You, Follow Me“ (Genesis) bekommt wieder einen Sinn, der durchs Akkordeon sogar noch betont wird. Und „Calling America“ (ELO) macht Laune. „Weit, weit weg“ ist Eddi Stinners persönlicher, besinnlicher Beitrag. Er hat das Westerwaldlied komponiert „Wir sind Kinder von Dir“, das die Band als CD-Single anbietet. Etwas irischer Rhythmus ist zwischendurch zu hören, aber auch französischer Chansongeist – ausgerechnet bei Peter Alexanders „Die kleine Kneipe“ (1976). Doch das funktioniert. Was die (Ur-)Oma schon gut fand, kann jetzt endlich Freude machen und lässt an all die kleinen Kneipen in den umliegenden Dörfern denken …

Von Meinungsinkontinenz in „Sozialen Medien“

Martin blödelt allerdings nicht nur, er wirft auch einen missbilligenden Blick auf die „Meinungsinkontinenz“ in sogenannten „Sozialen Medien“. Er meint mehr Beleidigungsfreiheit statt Meinungsfreiheit zu erkennen. Zudem protestiert er gegen Weihnachtszeithasser und für kleine Weihnachtsmärkte, besingt gar ihr buntes Angebot – als wolle er sagen „wer nicht genießt, ist ungenießbar“. Die Wäller Jungs sagten sehr spät Ade mit „Christmas Time“ (Bob Geldof) und dem gemeinsam gesungenen „Leise rieselt der Schnee“.

Die drei Konzerte haben vielen Menschen Freude gemacht und waren eine schöne Weihnachtseinstimmung. Wir freuen uns auf’s nächste Mal. Vielleicht darf man sich dann im Vorfeld auch Lieder wünschen? Einige waren im Publikum und bei den emsigen Stöffel-Mitarbeiterinnen schon zu hören.

(Text: Tatjana Steindorf; Fotos: Röder-Moldenhauer)

@coustischer Hochgenuss in Bildern

 

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