Blues hoch zwei – Richard Bargel und Fabio Nettekoven = Family Business

Hervorragende Gitarristen, dazu die kribbelnde Reibeisenstimme von Richard Bargel – über die Qualität des Konzerts in der Alten Schmiede musste man sich nicht sorgen.  Die Karten günstig, das Ambiente exklusiv. Was war der Grund, dass nicht mehr als 40 Zuhörer das Event in Enspel wahrnahmen? Vielleicht: die Angst vorm Blues. Doch dass diese Musikrichtung nur etwas für einsame Wölfe oder Melancholiker ist, lehnt Bargel glattweg ab.

„Alle Stimmungen, die der Mensch so hat, werden auch im Blues verarbeitet”, lautet sein Statement. Tatsächlich bringt der markante Musiker und sein junger kongenialer Partner Fabio Nettekoven viele Gefühlsschattierungen ans Publikum, und das hatte einen wirklich guten Abend im Stöffel-Park. Irgendwie passte die ganze Stimmung - relaxed und ruhig wie der sonnige Abend, dessen warmes Licht noch durch die halbblinden gelben Scheiben der Schmiede fiel. Und in dem relativ kleinen Zuhörerkreis wirkte eine Art Gruppenfeeling. Intensives Zuhörern, begeisterte Zurufe, guter Verkauf am CD-Stand und die geforderten Zugaben machten das deutlich. 

„Wir wollen es uns heute etwas gemütlich machen”, meint Bargel mit Hinblick auf die Zweierbesetzung, vergangenes Jahr war er mit der Band hier. Das lautmalerische „Lady of the Black Bamboo” gehört wie das bodenständige mit klaren Rhythmen geprägte „Bad Bad Whiskey” zum Repertoire. Neben „Klassikern” spielt er eigene Titel, die überzeugen. 

An seiner Seite brilliert Fabio Nettekoven als Saitenkünstler. In der Pause schüttelt ein Freund Bargels dann mit dem Kopf. „Er hat wieder ein Stück gespielt, das voher nicht zusammen geprobt wurde”, meint er. Das Ergebnis aber war bestens, diese Version von „Mellow Down Easy” war gehaucht mit tollem Rhythmus, spannend und machte Lust auf mehr. 

Mehr wollte das Publikum auch am Ende des Konzerts. Die Zugabe nach der Zugabe wurde sogar fast märchenhaft. Bargel bewies seine Vorlesekunst und wählte eine Geschichte aus seinem eigenen Buch – über Rentiere und das Rentieren. Humor hat er allemal. Schon sein eigenes Leben wäre ein dickes Buch wert. Er spielte mit verschiedenen weltbekannten Musikern, war immer umtriebig, initiativ und ist vom Theater(-spielen) begeistert, was er derzeit in leitender Funktion in Bad Godesberg beweisen will. Und wenn er dann noch Zeit findet, ist er wieder im Stöffel-Park zu hören.

(Text und Fotos: Tatjana Steindorf )