Alles etwas anders & genau richtig so

Durch das Basaltmassiv am Stöffel-Park scheint eine künstlerische Ader zu laufen, bemerkte Gerhard Loos, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Westerburg (links im Bild), der die Gäste im Stöffel-Park zur ersten Kunstausstellung in 2016 im Stöffel-Park begrüßte. Dieses Mal ist es Bernd Baldus (2. von rechts), ein Sohn Enspels, der bis Freitag, 22. April 2016, im Café Kohleschuppen seine Radierungen und Aquarelle zeigt.

Zweimal hingucken kann hier nicht schaden

Man betritt den Raum, schaut sich um. Hier stimmt alles, doch irgendwie ist es anderes als gedacht. Etwas irritiert, manches verändert sich beim zweimaligen Hinsehen. Nicht mal Baldus ist so, wie man ihn zunächst spontan einordnen möchte. Sein Antlitz auf dem Selbstporträt wirkt sehr selbstbewusst, ja cool. Das reale Pendant dazu wirkt einfach freundlich. Und wer war zuerst da: der Mann da unter den Besuchern mit dem langen weißen Bart oder das Bildnis eines solchen, das gleich hinter der Theke hängt, wo Wasser, Schorle und Rosé für die Gäste eingeschenkt werden? Dann greift ein Musiker zur Gitarre, der eigentlich der Maler ist, um den es jetzt geht: Bernd Baldus. Mit dem Lied „Heute hier, morgen da“ nach Hannes-Wader-Art heißt er die zahlreichen Gäste willkommen.

Okay. Jetzt der Redner: Der ist nicht der angekündigte Geschäftsführer Martin Rudolph, sondern Bürgermeister Loos. Dieser freut sich, einen alten Klassenkameraden würdigen zu dürfen. Er habe in der Schule gelernt, dass er nicht kreativ ist, sagt Loos sinngemäß. Dass es Baldus aber zunächst genauso erging, erfahren die staunenden Gäste dann im Künstlergespräch mit Marli Bartling. Erst nach dem Abitur hat Baldus sich mit Kunst intensiv beschäftigt, gesteht er.

Der Baldus-Blues geht in die Tiefe – nicht aufs Gemüt

Bernd Baldus bringt gerne den Blues auf die Leinwand. Damit ist nicht nur die Farbe Blau in ihren verschiedenen Qualitäten gemeint, sondern ein süß-bitteres Lebensgefühl, dessen Wirkung nicht schwermütig ist, eher leicht, liebevoll-ironisch.

In jeder Ecke des Raumes herrscht eine Gruppe von Bildern vor. Landschaften sind zu sehen, die idyllisch wirken. Doch Baldus betont, diese Aquarelle seien nicht locker-leicht dahingesetzt, wie sie es in dieser Malweise wirken mögen. Er arbeitet lange daran, setzt Akzente – etwa mit Tusche, Bleistift, Kreide…. Wochen, Monate vergehen so.

Eine „dunkle Ecke“ ist der Härte des Lebens gewidmet. Die fängt schon mit dem ersten Babyschrei an. Die Geburt als erster Abschied. Der ausgebildete Kunsttherapeut erklärt auch, wie es dazu kam, ein Bild von Amy Winehouse zu malen: Es war eine Auftragsarbeit zum Lied „Shooting Star“.

Sein Humor tritt bei den anderen Aquarellen und Radierungen zutage. Eine sonnenhungrige, korpulente Dame (die durchaus Charme versprüht) wird hier etwa zum Sinnbild des „Prallen Sommers“. Bei den Besuchern beliebt war auch die „Puff-Otter“. Wer hat denn schon einmal eine Schlange in Strapsen gesehen? Wohl gleichbleibend aktuell ist das Kamel, das nicht so leicht durch ein Nadelöhr kommt. Hier schreitet das Vorderteil des Tieres von dannen („Geht doch“), dadurch wird sein Mittelteil dünn wie ein Faden – doch der Hintern bleibt dick und bräsig stehen. Das könnte, ein Schritt weiter gedacht, auch ein Bild für unsere Gesellschaft sein, denn selbst der Macher, der Erfolgreiche, bleibt an sie gebunden, ist ohne sie nichts.

Übrigens: Die Bilder sind größtenteils käuflich zu erwerben.

Unter den Gästen war auch Dieter Wisser, Ortschef und Vorsitzender des Stöffelvereins, der Baldus „Back to the stones“ (anstatt, wie sonst üblich, „back to the roots“ – zurück zu den Wurzeln) begrüßte. Kulturreferent Joachim Wirth war da sowie Künstler, die bereits ausgestellt haben – oder werden. (tast)

  • Die Ausstellung ist bis zum 22. April 2016 täglich von 10–18 Uhr zu sehen. Sonntags können Sie gleichzeitig von dem Kaffeebetrieb (13–18 Uhr) profitieren.
  • Der Ausstellung wird mit einer Finissage am Freitag, 22. April 2016, 20 Uhr, ein besonderer Schlusspunkt gesetzt. Baldus tritt dann dort auf, wo seine Werke zwei Monate lang hingen – im Café Kohleschuppen im Stöffel-Park. Gesang, Lyrik und Bilder werden ein Gesamtkunstwerk schaffen.

Weitere Details in unserem Veranstaltungskalender. Veranstalter sind der Stöffelverein und der Stöffel-Park. (tast, 17.01.16/25.01.16)

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